Moodpath und Freunde fürs Leben machen gemeinsame Sache

Jedes Jahr sterben in Deutschland circa 10.000 Menschen durch Suizid – davon sind 600 Jugendliche und junge Erwachsene. Freunde fürs Leben wollen das ändern. Zum Start unserer Kooperation haben wir die Gründer Gerald und Diana gebeten, mehr zum Projekt im Interview zu erzählen.

Wer sind Freunde fürs Leben?

Gerald: Diana und ich haben den Verein 2001 ins Leben gerufen, nachdem wir selbst geliebte Menschen durch Suizid verloren haben. Als Kommunikations- und PR-Experten gehen wir zusammen mit unserem Kernteam im Berliner Office der Aufgabe nach, Jugendliche und junge Erwachsene über die Themen Suizid, Depression und seelische Gesundheit aufzuklären.

Diana: Dabei unterstützen uns Künstler, Prominente und Ehrenamtliche aus den verschiedensten Bereichen wie der Kommunikation, des Designs und der Psychologie, mit denen eine Vielzahl toller Projekte entstehen.

 

Was ist eure Herausforderung?

Gerald: Zeigen sich Symptome einer Depression und Hinweise auf Suizidalität, unternehmen Freunde und Angehörige, aus Unwissenheit und Angst etwas Falsches zu tun, oftmals nichts. Im persönlichen Miteinander ist es immer noch ein Tabu über depressive Phasen und Selbstmordgedanken zu sprechen.

Diana: Genau deshalb ist Aufklärung über Suizid extrem wichtig – wird  von staatlicher Seite aber noch stark vernachlässigt.

 

Wie klären Freunde fürs Leben wirkungsvoll auf?

Gerald: Durch gezielte Informationsvermittlung über Warnsignale und Hilfsangebote auf unserer Website frnd.de und in unseren Pocket Guides ist Suizidprävention möglich. Freunde und Familie werden zu Lebensrettern, wenn sie über die Problematik Bescheid wissen.

Auf unseren frnd-TV-Kanal laden wir prominente Gäste zum Austausch über Krisen und seelische Gesundheit ein. Als Personen des öffentlichen Lebens zeigen sie: Jeder hat Krisen und es ist okay, darüber zu sprechen.

Diana: Zudem starten wir Kampagnen wie 600 Leben oder unserer Kunstprojekt Talk!, in denen wir mit Betroffenen, Angehörigen, Künstlern und Politikern in Austausch treten und mit Aktionen wie einem Flashmob oder einem Kunstworkshop dazu anregen: Redet darüber! So schaffen wir für die Tabuthemen mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

Auch betreiben wir Lobbyarbeit, denn für uns gehört die Aufklärung über Suizid und Depression sowie die Prävention für seelische Gesundheit auf die gesundheitspolitische Agenda. Es wäre von großer Bedeutung, das Thema in den Unterrichtsstoff in der Schule sowie am Arbeitsplatz zu integrieren.

Gerald: Wir wollen mit unserer Arbeit erreichen, dass Vorurteile abgelegt, Warnsignale von Suizidalität und Depression besser erkannt und Hilfsangebote schneller genutzt werden.

 

Was ist eure Vision? 

Gerald: Wir haben die Vision einer aufgeklärten Gesellschaft, in der offen über psychische Krisen gesprochen wird. Dazu zählt auch ein gutes Netzwerk für Betroffene, in dem sie auf schnelle Hilfe zurückgreifen können.

Diana: Wie toll wäre es, wenn junge Menschen über gesundheitsfördernde Faktoren wie Resilienz und Bewältigungsstrategien bereits in der Schule informiert werden.

Gerald: Durch unsere Aufklärungsarbeit und das Mitwirken vieler Institutionen sehen wir eine Gesellschaft, in der Wissen über vorbeugende Maßnahmen und Hilfsmöglichkeiten besteht und damit auch weniger Entscheidungen für Suizid getroffen werden.

 

Welche Projekte stehen derzeit auf eurer Agenda?

Diana: Bei den Freunden ist immer viel los – Hands-on Mentalität wird bei uns groß geschrieben. Anfang Mai haben wir die vierte Staffel unseres Videoformats Bar-TALK gedreht. Eines unserer erfolgreichsten Formate auf frnd.tv, bei dem Markus Kavka prominente Gäste am Tresen der Kitty Cheng Bar über ihre persönlichen Krisen und Bewältigungsstrategien interviewt. Die neue Staffel haben wir gerade veröffentlicht.

Außerdem arbeiten wir weiter an unserem Kunstprojekt Talk!. Seit 2017 entstehen in Zusammenarbeit mit dem Fotografen Tom Wagner und Künstlern beeindruckende Kunstwerke und ein offener Austausch über Suizid und Depression. Derzeit  planen wir eine große Ausstellung mit 50 Kunstwerken.

Gerald: Nach dem Relaunch unserer Website im März sind wir nun aktiv dabei, Beiträge für unseren Newsblog zu sammeln. In Austausch mit Psychotherapeuten, Betroffenen, Sozialarbeitern und Angehörigen entsteht dort alle zwei Wochen ein neuer Blogbeitrag.

Am 10. September steht zudem der Weltsuizidpräventionstag in unserem Kalender. In den letzten Jahren haben wir an diesem Tag mit der Aktion 600 Leben am Brandenburger Tor zu einem Flashmob aufgerufen oder im Rahmen von Talk! einen Kunstworkshop für eine Berliner Schulklasse angeboten. Was wir in diesem Jahr auf die Beine stellen werden, bleibt allerdings noch ein Geheimnis.

Und natürlich freuen wir uns sehr über die Zusammenarbeit mit euch.

 

Wie passen Freunde fürs Leben und Moodpath zusammen?

Gerald: Moodpath und Freunde fürs Leben haben das Ziel, den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe an die Hand zu geben. Die Moodpath App schafft das als psychologischer Begleiter beim Beobachten der eigenen Stimmung, während wir die Menschen auf dem Weg begleiten, offen über psychische Krisen zu sprechen.

Daraus ist eine wunderbare Kollaboration entstanden, in der wir uns über unsere Arbeit und Themen wie Widerstandskraft und Depression austauschen konnten. Das Ergebnis könnt ihr in den nächsten Monaten auf unserem Newsblog verfolgen.

 

Zum Abschluss: Was ist euer Tipp im Umgang mit Freunden, die Hilfe brauchen?

Diana: Bei dem Verdacht, dass dein Freund oder deine Freundin an einer Depression leidet oder Suizidgedanken hat, ist der erste Schritt der aktiven Hilfe Zuhören. Oft denken wir, dass gute Ratschläge und ein Schulterklopfen helfen. Tatsächlich solltest du deinen Freund oder deine Freundin erst einmal sprechen lassen und vor all dem ernst nehmen. Wichtig ist – auch wenn es nicht einfach ist: Frag direkt nach konkreten Selbstmordgedanken.

Denk daran, dass ein Problem, mit dem du gut zurecht kommst, für deinen Freund oder deine Freundin nicht leicht zu lösen sein kann. Im nächsten Schritt kannst du weitere Gesprächsangebote machen und in Ruhe mit deinem Freund oder deiner Freundin überlegen, wo er oder sie sich Hilfe holen kann.

Gerald: Wichtig ist auch, dass du mit der Selbstmordankündigung von der du gehört hast, nicht alleine bleibst. Such dir Ansprechpartner wie Eltern, Lehrer oder Beratungsstellen. Denn gute Freunde helfen sich in der Not – sie müssen die Last aber beidseitig nicht alleine tragen.

 

Diana Doko und Gerald Schömbs
Diana Doko und Gerald Schömbs haben „Freunde fürs Leben“ gegründet (Foto: Tom Wagner)

 

Freunde fürs Leben online:

https://www.frnd.de

https://www.facebook.com/freundefuersleben

https://www.instagram.com/freundefuerslebenev

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