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Können Antidepressiva Depression heilen? 9 wichtige Fakten

Bei Depression stehen in der Regel zwei Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund: Psychotherapie und die Behandlung mit Medikamenten. Während die Psychotherapie als sehr hilfreich gilt, gibt es bei der Wirksamkeit von Antidepressiva gemischte Ergebnisse. Dieser Artikel untersucht 9 Fakten zu verschreibungspflichtigen Medikamenten, die zur Behandlung von Depression eingesetzt werden.

Die Illustration zeigt verschiedene Antidepressiva

Was sind die wichtigsten Dinge, die man über diese Medikamente wissen sollte?

1. Zuallererst: Mit einem Experten sprechen!

Medikamente sollten nie ohne vorherige Rücksprache mit einem Arzt eingenommen werden und mit deinem Psychotherapeuten kannst du die Medikation zusätzlich besprechen. Auch Hausärzte verschreiben Antidepressiva und Schlafmedikamente. Der Facharzt, den du aufsuchen solltest, um deine Medikation so optimal wie möglich einzustellen ist aber der Psychiater. Als Facharzt für psychische Störungen hat er die meiste Erfahrung. Antidepressiva und weitere Medikamente zur Behandlung von Depression haben Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und stellen ein Risiko für die Gesundheit dar. Insbesondere gilt das bei bestimmten chronischen Erkrankungen. Stelle sicher, dass dein Arzt über alle gesundheitlichen Bedenken oder Probleme informiert ist. Das ist wichtig um das passendste Präparat für dich zu finden und um festzustellen, ob Antidepressiva für dich in Frage kommen.

2. Über typische Nebenwirkungen solltest du Bescheid wissen.

Sehr häufig sind die Folgenden:

  • Müdigkeit
  • Gewichtszunahme
  • Kopfschmerzen
  • Libidoverlust
  • Mundtrockenheit
  • Kreislauf Verstopfung

Diese Nebenwirkungen können von Medikament zu Medikament und von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. In der Regel werden sie in den ersten Wochen der Einnahme des Medikaments am stärksten wahrgenommen. Um gemeinsam zu entscheiden, welches Medikament das Passende sein könnte, ist es wichtig ganz individuell vorab weitere Wirkungen des Präparats mit zu besprechen:
Fühlst du dich beispielsweise sehr unruhig? Dann kann eine Medikation helfen, die eher etwas müde macht. Neigst du zu Kopfschmerzen? Dann können du und der Arzt besprechen, welche Medikamente es gibt, die eher nicht mit dieser Nebenwirkung einhergehen. Die Symptome der Depression können genau besprochen werden und Schlafstörungen, Morgentief und Co. können in die Überlegung zur Wirkung sowie zu den Nebenwirkungen mit einbezogen werden. Sobald du mit der Einnahme von Medikamenten zur Behandlung von Depressionen beginnst, solltest du, wenn du unerwünschte Nebenwirkungen verspürst, deinen Arzt kontaktieren, um die nächsten Schritte zu besprechen. Höre nicht auf, das Medikament zu nehmen und ändere die Dosierung nicht, ohne vorher einen Arzt zu konsultieren.

3. Medikamente verändern den Stoffwechsel in deinem Gehirn.

Die genauen Mechanismen, mit denen Antidepressiva die Depression beeinflussen, sind noch nicht vollständig verstanden. Im Allgemeinen beeinflussen Antidepressiva jedoch die Regulation von chemischen Substanzen im Gehirn, den sogenannten Neurotransmittern (insbesondere Serotonin, Noradrenalin und Dopamin), die nachweislich mit depressiven Symptomen zusammenhängen.

4. Antidepressiva haben nicht bei jedem die gleiche Wirkung.

Es gibt viele verschiedene Arten von Antidepressiva. Während einige einen eher beruhigenden Nebeneffekt haben, können andere aktiver machen. Manchmal ist es notwendig, mehr als eine Art von Antidepressivum auszuprobieren, bevor man eines findet, das für einen wirkt.

5. Antidepressiva sind nicht die einzige Art von Medikamenten gegen Depression.

Obwohl Antidepressiva am häufigsten gegen Depression eingesetzt werden, können auch andere Arten von Medikamenten eingesetzt werden.

Lithium: Lithium ist Stimmungsstabilisierer und kann ergänzend zu einem Antidepressivum gegeben werden, um die Wirkung zu verstärken. Daneben kann das Medikament eingesetzt werden, um erneuten Phasen vorzubeugen.

Echtes Johanniskraut: Dieses Kräuterergänzungsmittel, das normalerweise etwa in Drogerien zu finden ist, hat eine antidepressive Wirkung. Insbesondere bei leichten bis mittelschweren Episoden. Es gibt jedoch viel Diskussionen über effiziente Dosierungen. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können schwerwiegend sein – also vor der Einnahme mit deinem Arzt sprechen!

6. Antidepressiva brauchen Zeit.

Es dauert in der Regel etwa 2 Wochen, bis sich abzeichnet, ob das Medikament passt und richtig eingestellt ist oder ob eine Anpassung notwendig ist.

Wenn du nach vier bis sechs Wochen keine Besserung bemerkst, solltest du dich an deinen Psychiater wenden. Sollten sich Suizidgedanken einstellen, verstärken oder sonstige Schwierigkeiten auftreten, ist es unabdingbar, dass du umgehend den Arzt kontaktierst. In der Regel wird ein Medikament mindestens ein halbes Jahr durchgehend genommen und dann mit dem Psychiater das weitere Vorgehen besprochen. Gegebenenfalls ist dann ein Absetzen möglich, aber nur unter engmaschiger Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt.

7. Es gibt unterschiedliche Ansichten über die Wirksamkeit.

Antidepressiva gibt es schon seit Langem, aber nicht jeder ist von ihrer Wirksamkeit überzeugt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Behandlung mit Antidepressiva einen Nutzen hat. Der Grad dieser Wirksamkeit ist jedoch unsicher. Eine Studie ergab, dass sich die Symptome von Menschen mit leichter bis mittelschwerer Depression bei Behandlung mit Antidepressiva nicht stärker verbesserten als bei einer Gruppe, die ein Placebo einnahm. Allerdings zeigte sich bei denen mit schwerer Depression eine höhere Effektivität des Medikaments als beim Placebo. Die Empfehlungen nach medizinischen Standards lauten wie folgt:

Leichte depressive Episode: Psychotherapie hat die besten Ergebnisse gezeigt. Medikamente sollten nicht die erste Wahl sein, können aber verwendet werden, wenn es in der Vergangenheit bereits depressive Episoden gab oder wenn die betroffene Person zuvor positive Erfahrungen mit Medikamenten gemacht hat. Eine Medikation kann auch in Betracht gezogen werden, wenn keine anderen Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Mäßige depressive Episode: Es können entweder Medikamente oder Psychotherapie eingesetzt werden, da beides in Studien eine vergleichbare Wirksamkeit gezeigt hat. Eine Kombination aus beidem hat keine besseren Ergebnisse gezeigt. Also sollten Betroffenen eine Behandlungsoption ausprobieren und eine Kombination nur in Betracht ziehen sollten, wenn die Behandlung nicht erfolgreich ist. Eine Kombination kann verwendet werden, wenn es frühere depressive Episoden gab oder wenn die betroffene Person zuvor gute Ergebnisse mit Medikamenten zeigte.

Schwere depressive Episode: Eine Kombination aus Medikamenten und Psychotherapie scheint die effektivste Behandlungsoption zu sein, da sie bessere Resultate zeigt als die alleinige Anwendung einer der beiden Optionen.

Bei Langzeitlösungen hat sich die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) bewährt, um das Wiederauftreten von Depressionen zu verhindern. Die Psychotherapie zeigt im Vergleich zur Medikation eine niedrigere Rate von wiederkehrenden depressiven Episoden.

8. Es kann Schwierigkeiten beim Absetzen bestimmter Medikamente geben.

Schlaftabletten und Beruhigungsmittel sind hochgradig suchterzeugend und sollten nur unter der Aufsicht eines Arztes und in akuten und schwierigen Situationen eingenommen werden. Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine wirken zwar nicht als Antidepressiva, helfen aber bei der Entspannung und können Schlafstörungen lindern. Aufgrund des extrem hohen Suchtrisikos sollte man bei der Einnahme aber äußerste Vorsicht walten lassen und vor dem Gebrauch immer einen Arzt aufsuchen.

9. Information muss vor der Medikation kommen.

Überlege sorgfältig und informieren dich umfassend über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten von Depressionen, bevor du die Einnahme von einem Medikament beginnst. Bespreche alle Möglichkeiten mit deinem Therapeuten oder Arzt und informieren dich über die Chancen, Risiken und Konsequenzen der verschiedenen Behandlungen. Wenn du unsicher bist, kannst dich mit anderen Betroffenen austauschen oder eine Beratungsstelle in Anspruch nehmen.

Ist die Medikation das Richtige für mich?

Medikamente können eine wirksame Behandlungsoption für Depressionen sein, besonders wenn deine Symptome schwerwiegend sind oder wenn du in der Vergangenheit bereits depressive Episoden erlebt hast. Wenn deine depressiven Symptome hingegen leicht oder mittelgradig sind und du noch nie zuvor eine depressive Episode hattest, sollte Psychotherapie deine erste Wahl sein. In jedem Fall ist es wichtig, individuell und in enger Abstimmung mit Fachleuten die passende Behandlung zu finden.

Denke daran, dass es neben Psychotherapie und Medikamenten auch andere Maßnahmen gibt, die du ergreifen kannst, um die Symptome zu lindern. Dazu gehören die Steigerung der körperlichen Aktivität, gesunde Ernährung und mehr soziale Aktivitäten. Der Depression auf verschiedenen Ebenen zu begegnen, bietet die beste Möglichkeit einen Umgang mit ihr zu finden. Wenn du mehr Infos über die Psychotherapie und Ihre Behandlungsmöglichkeiten suchst, findest du sie hier.

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